Ein Holzauto made in Austria

Das vierköpfige Team der Cart Brothers aus Wien will den Automobilmarkt aufmischen – mit einem regional hergestellten Auto aus Holz, das mit Sonnenergie fährt.

von Eva Schwienbacher
Wood-e 4 in action Wood-e 4 soll überall dort fahren, wo emissionsloser, entschleunigter Verkehr gewünscht und gefördert wird. (c) Johannes Raimann

Christian Manser ist einer der Gründer der 2020 entstandenen Cart Brothers. Der Produktdesigner führte rund 20 Jahre lang ein Designbüro in Wien und arbeitete in der Wissenschaftskommunikation. Vor kurzem entschied er, sich gänzlich dem Thema emissionsfreie Mobilität und Wood-e 4, so heißt das von seiner Firma erfundene Holzfahrzeug, zu widmen. Drei Prototypen für Einsätze abseits der Straße haben die Gründer seit 2020 gebaut, nun wollen sie bis 2025 eine Straßenversion des Holzautos Wood-e entwickeln.

Herr Manser, Wood-e soll – wie viele andere heute erfolgreiche Geschäftsideen – als Garagenidee entstanden sein. Erzählen Sie bitte von der Geburtsstunde.

Christian Manser: Es kursieren verschiedene Versionen unserer Entstehungsgeschichte. Tatsache ist, dass alles auf der italienischen Insel Albarella vor rund fünf Jahren begann. Einer der Firmengründer war beruflich regelmäßig auf der autofreien Insel. Gäste werden dort mit einer Art Golfcart mit Elektroantrieb transportiert. Mein Gründerkollege dachte sich, dass das doch besser gehen müsste und wandte sich an mich, ob wir nicht gemeinsam ein Elektro-Cart entwickeln, das selbstladend ist. Ich habe gleich zugesagt, weil das Thema für mich als Gestalter und Konstrukteur hochinteressant ist. So war die Idee geboren.

Was waren die nächsten Schritte bis zum ersten Prototyp?

Unser Ziel war es, das Elektro-Kart mit italienischen Partnern zu realisieren. Allerdings war die Kooperation zäh und das Ganze plätscherte langsam vor sich hin. Ein Wendepunkt war als ich einmal bei mir zuhause im Bregenzerwald war und die Verkehrsprobleme dort beobachtete: Die ganze Talschaft war eine einzig stehende Autokolonne. Zu touristischen Stoßzeiten vervielfacht sich die Pkw-Anzahl. Das Konzept meines Kollegen fand ich eine mögliche Lösung, um zumindest den CO-2-Ausstoß in solchen Talschaften zu verringern.

(c) M. Dorner

Zur Person

Christian Manser, geschäftsführender Gesellschafter der Cart Brothers GmbH. Er arbeitet als Produktdesigner am Holzauto der Cart Brothers.

(c) M. Dorner

Haben Sie damals schon daran gedacht, ein Holzauto für die Straße zu bauen?

Nein. Es ging mir primär darum, der heimischen Bevölkerung die Verkehrsproblematik klarzumachen und Interesse für emissionsfreie Verkehrslösungen zu wecken. Ich komme aus der Wissenschaftskommunikation und habe mich viel damit beschäftigt, wie man Informationen transportiert und Menschen erreicht. Im Bregenzerwald, war meine Überlegung, könnte das über die Identifikation mit der Arbeit gelingen. Die Idee entstand, ein Auto zu entwickeln, das grundsätzlich im Bregenzerwald, mit den verfügbaren handwerklichen Strukturen herstellbar wäre.

Ist Ihr Plan aufgegangen?

Wir haben ein Concept Car entwickelt. Es hieß Woody. Das haben wir Handwerkern und Handerkerinnen im Bregenzerwald auch präsentiert. Der Grundtenor war sehr positiv, was uns motivierte, weiterzumachen. Corona hat dazu geführt, dass alle beruflich wenig ausgelastet waren. So habe ich einen Förderantrag bei der AWS (Austria Wirtschaftsservice) eingereicht, der bewilligt wurde. Mit diesem Geld konnten wir den dritten Prototypen, Wood-e in der „Version Albarella“, entwickeln und damit auch einige Kaufanfragen generieren. Das bewog uns dazu, das Projekt voranzutreiben und eine Straßenversion – Wood-e 4 – zu entwickeln mit vier Sitzen, die 45 km/h schnell fahren kann statt zehn wie bei Golfkarts üblich.

Beschreiben Sie bitte dieses straßentaugliche Holzauto. Wie schaut es aus?

Die großen Bauteilgruppen eines Autos sind das Fahrwerk und die Karosserie. Beide Versionen – also Albarella sowie das Straßenauto – besitzen eine Stahlrohrkonstruktion. Darauf wird eine Holzkarosserie aufgesetzt. Bei all unseren Gefährten haben wir die handwerklichen Strukturen in Österreich mitgedacht, um eine Karosserie zu entwickeln, die vor Ort komplett realisierbar ist. Einfach und kostengünstig. Wood-e in der „Version Albarella“ ist eine simple Plattenkonstruktion, die mit einer gängigen Fräse geschnitten werden kann. Die Karosserie der Straßenversion geht technisch einen Schritt weiter und besteht aus gepressten Holzverbundplatten, die dreidimensional geformt werden, wie im Möbelbau. Wir gehen den umgekehrten Weg, wie normalerweise in der Produktentwicklung: Wir schauen uns an, welche Maschinen und welches Wissen im Land verfügbar sind und entwickeln dann das Produkt.

Kooperieren Sie deshalb mit über 25 Partnern verteilt auf ganz Österreich?

Ja, wir kooperieren mit kleineren, lokalen Partnern. Große Autokonzerne emittieren jährlich mehrere Hundert Millionen Tonnen CO2. Schließlich steht der Pkw dann 23 von 24 Stunden am Tag. Der enorme Ressourcenverbrauch zieht sich durch den gesamten Lebenszyklus. Der Großteil der globalen Emissionen aus dem Transportsektor geht auf den Personenverkehr auf der Straße zurück. Wir wollen zeigen, dass es klimafreundlicher geht mit einem lokal produzierten Wagen, der durch eine PV-Anlage am Dach energieautark ist.

wood-e 4
So soll Wood-e 4, die Straßenversion des Holzautos der Cart Brothers GmbH, aussehen, das 2025 auf den Markt kommen soll. (c) Cart Brothers GmbH

Spannend dazu wäre ein Vergleich mit den CO2-Emissionen des straßentauglichen Wood-es.

Wie viel Tonnen CO2 wir letztendlich mit Wood-e 4 einsparen können, kann ich am Ende der Entwicklung der Straßenversion sagen. Noch sind wir mittendrin. Aber das Einsparungspotenzial ist groß: Wir schaffen es mit heimischen Herstellungsverfahren und Materialien das Automobil komplett in Österreich herzustellen. Wir verwenden heimische Fichte. Auch alle anderen Komponenten werden in Österreich endgefertigt: Die Photovoltaikanlage für das Autodach, das Fahrwerk, die Batterien. So sparen wir uns lange Transportwege, generieren lokale Wertschöpfung und durch die PV-Anlage am Dach fährt das Auto fossilfrei. Ich finde, dass es in der zeitgemäßen Produktentwicklung darum gehen muss, was das Produkt mit allen Menschen macht und nicht nur mit seinem Nutzer oder seiner Nutzerin. Wenn ich einen Lamborghini fahre, dann ist es mein Spaß, aber die Lärm- und Schadstoffbelastung muss von allen anderen getragen werden. Das ist nicht richtig.

Müsste man dann konsequenterweise nicht komplett weg vom motorisierten Individualverkehr gehen?

Der Pkw ist ein ambivalentes Produkt: Jahrzehntelang bewarben die weltbesten Werbestrategen Autos und luden sie mit Bedürfnissen wie Freiheit, Sicherheit, Geborgenheit usw. auf. Uns geht es darum, das Produkt mit neuen Emotionen zu belegen. Eine Idee ist, dass wir die Privatisierung von Nutzen aufgeben und den Nutzen verallgemeinern. Unsere Wood-es haben PV-Anlagen am Dach. Die Gefährte sind koppelbar. Ich kann Wood-e an mein Haus anschließen und Strom einspeisen oder aber elektrische Energie an das öffentliche Stromnetz abgeben. In der Zeit, in der der Pkw stillsteht, generiert er Nutzen für die Allgemeinheit. Ein großes Problem im Verkehr ist die sogenannte letzte Meile. Genau für solche Kurzstrecken ist Wood-e gedacht.

Wie groß ist denn die Reichweite?

Wood-e kann rein durch Photovoltaik rund 40 Kilometer pro Tag energieautark fahren. Das reicht für die allermeisten Menschen. Das momentane Konzept sieht eine Batterieleistung vor, die mit einer Ladung eine maximale Reichweite von 120 Kilometern hat. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 45 km/h – so schnell soll Wood-e fahren können. Wood-e konkurriert nicht mit Limousinen, die auf die Autobahn gehen, sondern ist für Kurzstrecken gedacht. Es ist etwa für den Einsatz in Naturschutzgebieten, Tourismusregionen, den dörflichen Verkehr konzipiert – soll also überall dort fahren, wo emissionsloser, entschleunigter Verkehr gewünscht und gefördert wird.

Wie geht es weiter?

Wir sind so weit, dass wir alle Partner und Komponenten haben. Für uns hat Priorität, den Vorserienprototypen zu entwickeln, der Voraussetzung für die serielle Fertigung ist. Extrem wichtig ist auch die finanzielle Absicherung des Projektes. Die nächsten Wochen sind entscheidend.

Welche Summe wird benötigt?

Wir reden von einer höheren sechsstelligen Summe, was für die Automobilentwicklung lächerlich, für uns aber viel Geld ist. Für den vorserienreifen Prototypen brauchen wir rund 750.000 Euro.

Was legt man hin, will man einen Wood-e kaufen?

Ab 200 Stück produzierter Autos, sind es gemäß heutiger Berechnungen 14.000 Euro. 

Hätten Sie jemals gedacht, Autodesigner zu werden?

Nein, ich hätte nicht gedacht, dass ich da reingerate. Aber für mich war eines Tages klar, dass ich angesichts der Klimakrise etwas für die kommende Generation, für unsere Kinder tun muss.

Haben Sie selbst Kinder?

Ja, zwei. Sie sind 13 und sechs.

Was sagen diese zum Holzauto?

Sind finden es super und hoffen natürlich, dass es klappt. Denn das Ganze ist etwas punkig, aber Frechheit siegt. Und man darf auch was wagen. Wir sind es den kommenden Generationen schuldig. 

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