Gerade höre ich auf FM4, dass junge Leute einem neuen Internettrend folgen: Sie wollen sich beim Goldenen Dachl treffen, um „Pudding mit Gabel“ zu essen. Aber vielleicht steckt da mehr dahinter. Vielleicht brauchen sie Gemeinschaft, wollen andere Menschen kennenlernen und sind froh um jedes verbindende Element, das sie finden können. Das wäre dann der Pudding mit Gabel. Aber die Frage ist: Warum braucht es so ein Event? Gibt es nicht eine lebendige freie Szene, die jedes Jahr durch neue Studierende belebt wird? Die in Clubs gehen würden, wenn sie doch nur Geld hätten?
Die Nachtgestalter.
Betrieben werden die Innsbrucker Clubs, speziell jene in der Bogenmeile, von verschiedenen Personen und Kollektiven, die miteinander inhaltlich und wirtschaftlich kooperieren. Da gibt es etwa die Tante Emma oder die Arche*Ahoi, die nur am Wochenende spätabends ihre Türen öffnen. Oder die p.m.k., geführt von David Prieth, über die mehr als 20 verschiedene Vereine regelmäßig Konzerte ausrichten. Aber auch gemütliche Bars, wo man sich trifft, um zu reden, sind ein wichtiger Teil der Bögen – zum Beispiel das vor zwei Jahren eröffnete Kult oder das alteingesessene Babalon. Diese Adressen gibt es zum Glück noch, viele andere aber nicht mehr. Ich bin schon lange und immer noch oft im Nachtleben Innsbrucks unterwegs und bekomme das Clubsterben aktiv mit. Dass die Innsbrucker Nachtclubs seit über einem Jahrzehnt reihenweise zusperren, hat mehrere Gründe: „Aktuell steht die Clubszene in Innsbruck vor großen Herausforderungen. Einerseits gehen Menschen weniger aus, weil die Mieten steigen, alles teurer wird und sie deshalb weniger finanzielle Ressourcen haben.“, sagt David Prieth von der p.m.k. Viele können sich das Ausgehen also schlichtweg nicht mehr leisten. Aber auch fehlende Förderung und Wertschätzung von offizieller Seite – etwa der Stadt – tragen zur prekären Situation bei. Clara Mangold, eine Mitarbeiterin des Awarenessteams in der Arche*Ahoi, meint: „Viele Clubs „struggeln“ mit ihrem Dasein, weil Kultur zu wenig gefördert wird. Dementsprechend sterben die Clubs nach und nach.“ Auch die „Arche“ steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Ohne Gelder von außen wird es ihn sowie andere Clubs wohl nicht mehr lange geben.
Dürfen wir noch leben?
Generell ist es in meinen Augen wichtig, über folgende Dinge nachzudenken: Wie viel (finanzieller) Druck lastet auf einer Person, wenn sie im Leben stehen und an der Gesellschaft im Sinne einer Gemeinschaft teilnehmen will? Bietet die Gesellschaft noch genug Freiräume für junge und junggebliebene Menschen, die gerne ausgehen? Welche Rolle spielt die Möglichkeit eines nächtlichen Ausgleichs für die Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt, die neben Lohnarbeit, Carearbeit und Universität auch ein Leben haben wollen, das sich nicht nur am Berg abspielt?
Auf den Punkt gebracht: Die Innsbrucker Clubszene steckt in der Krise. Ohne Querfinanzierung kann sich das Clubleben mit seinen wichtigen Services wie etwa Awarenessteams wohl nicht langfristig halten. Fehlende Unterstützung dünnt die Szene aus – bis sie verschwindet. Und dann ist es zu spät.
Denn das Clubleben wird von vielen als Potenzial für gute Begegnungen und Erlebnisse wahrgenommen und hat allein deswegen schon eine Daseinsberechtigung. Wir können in Anbetracht dessen, dass menschliches Leben manchmal auch problembehaftet ist, das Lebendige in uns hinter Wohnungstüren verstecken und nur noch arbeiten und leisten. Doch, was dann bliebe, ist Vereinsamung.
Wie lange wird es die Innsbrucker Nachtszene noch geben? (c) Nico Knappe