Reben aus der Region

Familie Gutleben macht etwas, das in Tirol Seltenheitswert hat: Sie stellt eigenen Wein her. Im Hofschank in Itzlranggen kann man die edlen Tropfen auch gleich probieren.

von Anna Nöckler
Im Weinberg daheim: Barbara Gutleben sattelte vom Job als Grafikerin auf Landwirtin um (c) Bernhard Poscher

Ein Augusttag um neun Uhr früh: Der Hof von Familie Gutleben in Itzlranggen wirkt menschenleer. Nur ein paar Ponys trotten über die Weide. Aus den Weinreben hinter dem Haus tritt eine Frau mit breitem Lächeln: „Da seid ihr ja endlich!“

Barbara Gutleben ist schon einige Stunden auf den Beinen. An diesem Morgen erntet die jüngste der fünf Töchter von Karl und Maria Gutleben Weintrauben. Aufgrund des heißen Sommers ist die Sorte Solaris schon Ende August reif. Fein säuberlich knipst sie die Rispen ab und kontrolliert auf faule Stellen. Dann landen die Trauben in einer flachen Kiste und wandern in den Keller des Hofs. „Dort wird gerebelt, also die Beeren von den Stielen getrennt, und nach etwas Maischestandzeit die Traube gepresst“, erklärt die Landwirtin. Etwa zehn Tage brauche der Saft zum Gären, bevor er in kleinen Eichenfässern oder im Edelstahlfass seinen vollen Geschmack entfalten kann. „Gut Ding braucht Weile“, sagt Barbara Gutleben. „Nach sechs bis zwölf Monaten ist der Wein bereit, um abgefüllt zu werden.“

„Wir haben 2018 begonnen, Wein zu kultivieren. Mittlerweile bewirtschaften wir 1,7 Hektar Weinberg und veredeln die gesamte Ernte noch am Hof zu Wein.“

Vinzerin Barbara Gutleben

Von der Rebe bis zur Flasche passieren im Familienbetrieb alle Schritte in Handarbeit. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Martina Gutleben hat die 28-Jährige den Hof vor Kurzem von den Eltern übernommen. Die Geschichte des landwirtschaftlichen Guts reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Weinbau allerdings ist sehr viel später in Itzlranggen angekommen: „Wir haben 2018 begonnen, Wein zu kultivieren. Mittlerweile bewirtschaften wir 1,7 Hektar Weinberg und veredeln die gesamte Ernte noch am Hof zu Wein.“

Fein säuberlich werden am Gutleben-Hof die Weinreben geerntet (c) Bernhard Poscher

Eigentlich wollte sie nie Landwirtin werden, erzählt Barbara Gutleben. Nach dem Schulabschluss besuchte sie das Medienkolleg und die Journalismusakademie in Innsbruck. „Ich war für 20 Stunden als Grafikerin angestellt, habe aber effektiv nur zehn Stunden Arbeit gehabt.“ Die restliche Zeit habe sie abgesessen, während die Familie zuhause bei der Ernte eingespannt war. „Schnell habe ich kapiert, dass ich nicht im Büro sitzen, sondern in der Natur arbeiten möchte.“ Neben Wein kultiviert die Familie verschiedenste Apfelsorten, Zwetschken und Birnen. Auch Getreide, Kartoffeln und Schweine gibt es auf dem Hof. Martina Gutleben leitet den Hofschank, wo die Produkte nicht nur gekauft, sondern auch verkostet werden können. Laut der Tiroler Hofschank-Verordnung darf hier allerdings nur Selbstproduziertes ausgeschenkt werden.

„Ich war für 20 Stunden als Grafikerin angestellt, habe aber effektiv nur zehn Stunden Arbeit gehabt.“

Barbara Gutleben

Von Wein über Most bis hin zu Verjus, einem Saft aus unreifen Trauben, der laut Barbara Gutleben „ultra-gut“ schmeckt, gibt es reichlich Auswahl. Zur Erntezeit zwischen April und Juni beziehungsweise September und November tischt die Familie außerdem selbstgemachten Apfel- und Zwetschkenkuchen auf. Ausflügler nehmen das Angebot aus der Region gerne an. An den Wochenenden kommen die meisten mit dem Rad oder wandern zu Fuß auf das sonnige Plateau oberhalb des Inntals, um auf der Terrasse des Hofschanks Platz zu nehmen. Mittlerweile finden hier außerdem Kulturveranstaltungen, Hochzeiten und ein jährliches Weinfest statt. Trotzdem sagt Barbara Gutleben: „Wir sind keine Gastronomen, wir wollen Bauern bleiben.“ Der Hofschank biete ihnen die Möglichkeit, die Produkte an Konsumenten zu bringen, ohne dass der Handel die Regeln bestimmt.

Zukunftspläne für den Familienhof haben sie und ihre Schwester viele. „Wenn es so weitergeht mit dem Klima, können wir irgendwann Orangen und Mangos anbauen“, scherzt die Landwirtin. Fest steht: Dem Wein kommt das wärmere Klima in Tirol zugute.

(c) congerdesign
Zwetschkenkuchen wie von Mama

Zutaten für ein Backblech:

  • Etwa 20 entkernte, halbierte
    Zwetschken
  • 4 Eier
  • 220 g warme Butter
  • 200 g Zucker
  • 250 g Milch
  • 440 g Mehl
  • 1 Pkg. Backpulver

Zutaten Streusel:

  • 300 g Weizenmehl
  • 150 g kalte Butter
  • 150 g Zucker

Zubereitung:

Eier trennen und aus dem Eiklar einen steifen Schnee schlagen. Die zimmerwarme Butter mit dem Zucker und dem Eidotter schaumig rühren. Anschließend die Milch und das mit dem Backpulver vermischte Mehl dazugeben und vorsichtig unterrühren. Schließlich das steifgeschlagene Eiklar unterheben und die Masse auf ein Backblech geben. Darauf die halbierten Zwetschken mit der Schnittfläche nach oben legen. Für die Streusel alle Zutaten entweder mit den Händen oder dem Knethaken des Handrührgeräts rasch kneten und über den Kuchen verteilen. Alles bei 180 Grad Heißluft für 40 Minuten backen und vor dem Servieren mit Staubzucker bestreuen.

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