Cemil Onay kommt aus der kleinen Küche, in der schon ein Adana – ein türkischer Hackfleischspieß – am Grill brutzelt. Er hat gerade das Fladenbrot gebacken, das gleich auf die Teller kommt. Alles ist bereit für das Mittagsgeschäft: Die frisch zubereiteten Vorspeisen wie Hummus oder Weinblätter warten in der Vitrine, die Tische sind fein gedeckt und mit Blumen dekoriert. Abends kommen noch Tischdecken darauf, betont seine Frau Altun.
Cemil Onay wäscht sich das Mehl von seinen Händen ab und beginnt, die Geschichte zu erzählen, die hinter Meyman in Mils steckt: „1989 hat mein Vater zuerst die erste türkische Bäckerei in Hall und später ein türkisches Restaurant mit Holzkohlegrill gegründet.“ Gemeinsam mit seinen vier Geschwistern hat Cemil als Bub mitgeholfen. Für ihn war damals schon klar, dass er nach seinem Vater weitermachen möchte. Die Arbeit mit Teig faszinierte ihn. Als viertes von fünf Geschwistern war es zwar nicht die logische Reihenfolge, doch seine Brüder und seine Schwester schlugen ohnehin einen anderen Weg ein. Auch Altun kommt aus einer Gastrofamilie. Ihr Bruder betreibt in Istanbul ein nobles Restaurant, das auf Uykuluk spezialisiert ist, erzählen die beiden stolz. Was das ist? „Ein besonderes Gericht aus der türkischen Küche, das aus zwei Gustostücken vom Hals des Schafs gemacht wird.“
Liebe zu Brot.
Doch sein Wunsch, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, ging nicht Erfüllung – zumindest vorerst. Aus gesundheitlichen Gründen musste dieser die Bäckerei zusperren, noch bevor Onay alt genug war, um sie zu übernehmen. Trotzdem zog es Onay später in die Gastronomie. Als er das Handwerk, Brot zu backen, perfektioniert hatte, konzentrierte er sich auf Pizza – nach neapolitanischer Art – und blieb damit doch nahe beim Brot. Vor zehn Jahren eröffnete das Paar im Gewerbepark Mils, dort, wo es heute das türkische Restaurant betreibt, die Jiminys Pizzamacherei. Ein wichtiger Teil seines Erfolgs war das Mittagsgeschäft. „Vor Corona servierten wir um die 100 Essen pro Tag“, erzählt Altun. Doch nach den Lockdowns wollte das Geschäft nicht mehr so richtig in Schwung kommen. Die Onays spürten den coronabedingten Branchenwechsel des Personals und auch, dass die Leute aufgrund der Inflation seltener auswärts aßen. Das war eine Zeit, in der den beiden kurzzeitig die Freude an der Gastronomie verging. „Ich konnte nicht mehr der Gastgeber sein, der ich eigentlich sein wollte“, erzählt Cemil Onay. Deshalb, und auch weil sie inzwischen zwei kleine Kinder hatten, vermieteten sie kurzzeitig ihr Restaurant. Sie verfolgten kleinere Projekte in der Gastronomie, ehe sie im Oktober 2024 entschieden, wieder ihr eigenes Ding zu machen. „Ich glaube, die Dinge entwickeln sich von selbst, wenn die Zeit reif ist“, sagt Cemil. Das neue Konzept: ein türkisches Restaurant, das zugleich Brücke zwischen den Kulturen ist. „Mich haben immer wieder Leute in Tirol gefragt, wie sie Türken kennenlernen sollen, wenn die immer unter sich sind“, erzählt Onay. Es gebe zu wenig Möglichkeiten, in die türkische Kultur einzutauchen. Das wollten die beiden ändern.
Frisch vom Markt.
Nach einem durch die Vermietung notwendig gewordenen Umbau haben die Onays im April das Meyman, was übersetzt „Gast“ bedeutet, aufgesperrt. Von Donnerstag bis Montag ist das Restaurant offen. Die zwei freien Tage brauche man für die Familie und den Einkauf. „Ich kann stolz sagen, dass es bei uns in der Küche keine Gefriertruhe gibt“, sagt Cemil. Auch der Döner, der aus heimischem Rind- und Lammfleisch besteht, wird täglich frisch gemacht. Neben dem selbst gebackenem Brot ist das ein wesentlicher Unterschied zum gewöhnlichen Kebap, den man bei Imbissbuden bekommt. Pommes sucht man hier ebenso vergebens. Wie in der Türkei begleitet Bulgur die meisten Fleischgerichte auf der Karte. Zubereitet wird das Essen von einem „türkischen Meister“, der sich vom Tellerwäscher in verschiedenen Küchen der Türkei hochgearbeitet hat. Neben türkischen Grillspezialitäten wie Adana steht auch Pizza auf der Speisekarte – klassische, aber auch türkische mit Hack vom Spieß und Salat oder Kebap-Pizza. Mittags gibt es eine kleinere Mittagskarte und freitags Unterhaltung von einem türkischen Gitarristen. Die Tische stehen bewusst eng beieinander, damit die Leute ins Gespräch kommen können. Es ist auch schon vorgekommen, dass ein türkisches und ein Tiroler Paar am späteren Abend gemeinsam angestoßen haben, erzählt Cemil. Ganz nach seinen Vorstellungen.
Rezept: Beyti-Kebap
Kebap:
- 800 g Hackfleisch
- 1 Tomate
- 1 Zwiebel
- 1 Spitzpaprika
- Etwas Olivenöl
- 1 Handvoll Petersilie
- 1 EL getrocknete Chilischoten
- 1 Peperoni
- 1/2 Tomate
- 1 EL Salz
- 1 EL Pfeffer
Tomatensoße: - 2 EL Tomatenmark
- 125 g Butter
- Etwas heißes Wasser
- Salz und Pfeffer zum Abschmecken
- 1 Prise Zucker
Bulgur:
- 2 EL Butter
- 3 EL Sonnenblumenöl
- 1 1/2 EL Tomatenmark
- 1 1/2 Glas Bulgur
- 3 1/2 Glas Wasser
- 1 Zwiebel
- 1 Spitzpaprika
- Lavasbrot
Zubereitung:
Das Gemüse für die Fleischrolle fein würfeln, mit dem Hackfleisch vermengen und gut durchkneten. Anschließend zu einer Rolle formen und mit Olivenöl bestreichen. Den Backofen auf 220 Grad vorheizen, dann die Hackfleischrolle bei 180 Grad etwa 15 bis 18 Minuten backen.
Für die Tomatensoße Butter schmelzen und Tomatenmark darin anbraten und mit so viel Wasser ablöschen, dass eine sämige Soße entsteht. Mit etwas Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken.
Für den Bulgur gewürfelte Zwiebeln und Spitzpaprika in einer Pfanne mit Butter und Sonnenblumenöl kurz anbraten. Anschließend Bulgur und Tomatenmark hinzufügen, nochmals kurz anrösten und mit warmem Wasser aufgießen, bis alles bedeckt ist. Auf niedriger Stufe köcheln lassen und gelegentlich umrühren, bis das Wasser vollständig aufgesogen ist.
Nach dem Garen das Fleisch in Lavasbrot einrollen und in kleine Stücke schneiden. Mit dem Bulgur servieren.
Die Gastgeberinnen Cemil und Altun Onay. (c) Nicolas Hafele