Kaffee und Kitsch

Früher verkuppelte sie Menschen, heute verwöhnt sie Gäste mit einem schönen Frühstück: Wie Iris Schenker in der Haller Altstadt ihren rosa Traum lebt.

von Eva Schwienbacher
Iris Schenker wollte schon immer ihr eigenes Frühstückscafé betreiben. (c) Nicolás Hafele

Wenn man über das Café Brotkäppchen schreibt, sollte man wohl mit „Es war einmal …“ beginnen. Denn hier am Langen Graben in der Haller Altstadt ließ Iris Schenker ihr Märchen wahr werden. Eines, das zwischen vier und fünf Uhr morgens beginnt: Vor gut einem Jahr übernahm sie das Café Lizette von ihrer Vorgängerin Lizette Zöschg, die das Altstadtlokal neun Jahre lang sehr erfolgreich betrieb. „Ich habe lange nach einem passenden Ort für mein Frühstückscafé gesucht. Als ich von der Pensionierung von Lizette erfuhr, schlug ich gleich zu“, erzählt die 33-Jährige.

Sie kündigte ihren Bürojob in einer Partnervermittlung in Innsbruck und absolvierte eine Ausbildung zur „Food & Beverage-Managerin“. Kurze Zeit arbeitete sie noch im Lizette mit, um Abläufe und Stammkundinnen und -kunden kennenzulernen. Zöschg kannte sie schon lange, weil diese ihr als fünfjähriges Mädchen Tanzunterricht gab. Nach fünf Tagen Schließzeit sperrte Schenker im April vergangenen Jahres das Café Brotkäppchen auf. Das Lokal rannte von Anfang an gut. Sie spricht von Glück, dass sie gleich akzeptiert wurde – sowohl von Einheimischen als auch Touristen. Anfangs schupfte sie den Laden noch allein, heute hat sie vier geringfügig angestellte Mitarbeiterinnen.

Dass Schenker das Lokal in der Altstadt sofort gefiel, ist kein Zufall: Schon ihre Vorgängerin sparte nicht an rosaroter, blumiger Deko samt Täfelchen mit launigen Sprüchen wie „Genieße das Leben, du bist länger tot als lebendig!“. Und nach wie vor ist der kitschige Außen- und Innendekor ein Erkennungsmerkmal des Cafés: Von Weitem sticht einem schon der großzügig mit Plastikblumen-Ketten geschmückte Eingang samt Schnörkelbank und rosa Holzmöbeln ins Auge. Schenker würde am liebsten noch mehr zieren, aber da spielt das Denkmalamt nicht mit.

Umso opulenter geht es innen weiter: Passend zu Ostern sind pinke Hasen aufgestellt, die Tischtücher mit Rosenmuster bedruckt, Teller altrosa gestreift und die Kaffeelöffel in Herzform. „Zu Weihnachten dekorierte ich mit rosa Nussknackern. Ich mag es gerne kitschig“, gibt die Gastronomin zu und meint noch: „Es muss aber schon so sein, dass es wieder cool ist.“ Ihr war von Anfang an wichtig, ein Wohnzimmerfeeling zu schaffen. Ihre Gäste sollen sich wie daheim fühlen. Schließlich lautet das Motto: „Frühstücken wie bei Oma, nur ohne Wolf.“

Für ihr selbstgebackenes Brot mit Dattel-Aufstrich ist Iris Schenker berühmt. (c) Nicolás Hafele

Marmeladen, Aufstriche wie Hummus oder Curry-Dattel sowie die Kuchen sind entsprechend hausgemacht. Da helfen Schenkers Mutter und Oma mit. Das Brot ist Chefinnensache: Semmeln, Zeilen, Vollkorn- und Roggenbrot bäckt die Absamerin selbst. Nur die Croissants holt sie von der Bäckerei Bucher direkt gegenüber. Die hilft auch aus, falls am Wochenende das Brot ausgeht. Das Backen hat Schenker von ihrer Vorgängerin gelernt. „Es ist einfacher als erwartet. Nur das frühe Aufstehen fällt mir schwer.“

Das fluffige Brot ist wie die hausgemachten Waffeln bei den Gästen besonders beliebt. Über Toppings wie Marshmallows, Smarties, bunte Zuckerstreusel oder Oreo-Kekse freuen sich die jungen Besuchenden. Doch auch, wer es lieber herzhaft mag, wird im Brotkäppchen fündig: Der „mediterrane Morgenzauber“ kommt beispielsweise mit Feta, Oliven, Gurken, Tomaten und Müsli daher. Die „italienischen Frühstücksfreuden“ erinnern zwar mehr an Aperitivo als an Frühstück in Italien, sorgen aber mit Salami, Prosciutto und Parmesan für Urlaubsstimmung. „Mir war es wichtig, dass für alle etwas dabei ist“, sagt Schenker. Geöffnet ist das Brotkäppchen von Donnerstag bis Montag von 8.30 bis 13 Uhr. Auf Anfrage kann man das Lokal auch mieten.

Was ihre 13-jährige Tochter von ihrem rosa Traum hält? „Bei ihr ist diese Phase schon vorbei. Trotzdem kommt sie gerne zum Essen vorbei.“ Solange es ihr Spaß macht, will Schenker weitermachen. Märchen gibt’s – sie beginnen nur sehr früh am Morgen.

Rezept: So gelingt das Brot mit Dattel-Curry-Aufstrich

  • 500 g Wasser
  • 1 Würfel Germ
  • 20 g Apfelessig
  • 1 TL Salz
  • 500 g Vollkorn-Dinkelmehl
  • Verschiedene Körner nach Wahl

    Zutaten für den Aufstrich:
  • 1 Kopf Weißkraut
  • 150 g Datteln, entsteint
  • 1 Knoblauchzehe
  • 200 g Topfen
  • 300 g Frischkäse
  • 2 TL Curry
  • 1/2 TL Salz
  • 2 Prisen Cayennepfeffer

    Zubereitung:
    Backofen auf 180 Grad Heißluft vorheizen. Kastenformen mit Trennfett einsprühen. Wasser, Germ, Apfelessig und Salz gut verrühren. Anschließend das Vollkorn-Dinkelmehl, eine Handvoll Kürbiskerne, Haferflocken, Sonnenblumenkerne und Leinsamen dazugeben und sechs Minuten lang kneten. Teig auf beide Formen aufteilen und 45 bis 60 Minuten backen. Für den Aufstrich Datteln und Knoblauchzehe klein hacken. Anschließend restliche Zutaten dazugeben und gut verrühren.

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