„Ich war immer ein intensiver Mensch“

Als Kleinkind musizierte Hannes Vonmetz mit Kochlöffeln und Töpfen, heute spielt der 22-Jährige auf internationalen Bühnen. Für das Kammermusikfestival „Listening Closely“ kommt der Perkussionist im Mai nach Tirol.

von Kim Romagnoli
Hannes Vonmetz sieht seine Musik als Handwerk. (c) Sergio Allegre

Hannes Vonmetz war 15 Jahre alt, als er entschied, mit seiner Jugend abzuschließen. Zuvor hatte er von einer Karriere in einer Rockband geträumt, mit der er gern den Mädchen imponiert hätte. Stattdessen widmete der Teenager seine Aufmerksamkeit fortan der klassischen Musik – bis zu 14 Stunden täglich. „Wie ein Verrückter“, findet er rückblickend.

Vier Jahre später zog der Südtiroler nach Berlin. Dort stürzte er sich noch tiefer in die Musik, vergaß im Übungsraum tagelang alles um sich herum – oft sogar das Essen – und hielt erst inne, als seine Gesundheit längst darunter litt. „Das war eine dunkle Phase“, sagt er.

Heute musiziert Vonmetz täglich vier bis sechs Stunden und setzt in seinem Alltag neue Schwerpunkte: Er vernetzt sich innerhalb seiner Branche und sucht aktiv nach Möglichkeiten für Auftritte. An seiner Karriere zu arbeiten, bedeute für ihn aber auch, mal einen Halbmarathon zu laufen oder sich in den sozialen Medien zu zeigen. Außerdem beschäftigt er sich mit Themen wie Neurowissenschaften und Unternehmensführung. „Ich habe wieder begonnen, mich für die Welt zu interessieren.“

„Früher dachte ich, Klassik ist die Weltrettung der Musik.“

Den richtigen Weg zwischen Ehrgeiz und Leichtigkeit zu finden, ist ein Balanceakt – das weiß der Perkussionist. Schon als Dreijähriger trat er einer Musikschule bei und nahm früh an Wettbewerben teil. Damals sei das Musizieren für ihn ein Spiel gewesen. „Ein Instrument zu üben, hat sich für mich so natürlich angefühlt, wie sprechen oder laufen zu lernen.“ Nach dieser Lockerheit sucht er später im Jugend- und Erwachsenenalter immer wieder.

Auch seine Haltung zur eigenen Musik, die er der Kategorie „Kunstmusik“ zuordnet, habe sich im Laufe der Jahre verändert. „Früher dachte ich, Klassik ist die Weltrettung der Musik.“ Heute findet sich in seiner Spotify-Playlist überwiegend Popmusik – etwa Songs von Bad Bunny oder David Guetta. „Klassik ist für mich auf einer intellektuellen Ebene spannend. Im Alltag höre ich das aber nicht.“

Mittlerweile ist Vonmetz in Berlin glücklich, obwohl ihn manche Aspekte seiner Arbeit noch herausfordern: „Mein größtes Problem am Künstlerdasein ist, nie zu wissen, wie die Zukunft aussehen wird.“ Deshalb strukturiert der 22-Jährige seinen Alltag akribisch – ein Versuch, Kontrolle in dem unruhigen Berufsfeld zu erlangen: „Es passt mir nicht, alles dem Zufall zu überlassen.“

Wird der Südtiroler nach seinem Beruf gefragt, antwortet er vorzugsweise, er sei Handwerker: So wie andere das Schreinern lernen, um anschließend Möbel zu bauen, habe er gelernt, Noten zu lesen und zu spielen. Als Perkussionist musiziert er etwa mit Mallet- und Orchesterschlaginstrumenten sowie unterschiedlichen Trommeln und arbeitet dabei mit Kontrasten und Energie. Je nach Musikstück erklingen mal feurige Rhythmen, mal weiche Klänge. Vonmetz lässt Einflüsse aus dem Jazz und volksmusikalische Elemente aus Regionen wie Lateinamerika oder Japan einfließen – das Besondere an seiner Musik sei für ihn daher die klangliche Vielfalt.

Im Mai 2026 wird der 22-Jährige auf dem Festival „listening closely“ unter anderem mit dem Ensemble des Tiroler Landeskonservatoriums auf der Bühne stehen. Auf rund 60 Instrumenten werden sie Klassiker des Percussion-Repertoires spielen. „Wir möchten an diesem Abend musikalische Grenzen sprengen.“

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