„Ich möchte wieder singen“

20er-Verkäuferin Caterine Tshimalanga verrät, woraus sie Kraft schöpft und wovon sie künftig träumt.

von Theresa Girardi
Caterine Tshimalanga ist froh, noch am Leben zu sein (c) Thomas Schrott

„Dass ich noch lebe, ist ein glücklicher Zufall. Ich stamme aus der Demokratischen Republik Kongo. Dort musst du um dein Leben fürchten, wenn du Missstände anklagst. Als ich floh, nahmen die Soldaten meinen Bruder fest. Er sagte: ‚Ihr sucht jemanden, der nicht mehr hier ist. Auch wir machen uns Sorgen, wo unsere Schwester ist!‘ Es halft nichts. Er kam ins Gefängnis und starb wenig später. Die Gedanken an ihn beschäftigen mich jeden Tag.

Wie lange ich damals unterwegs war, kann ich nicht mehr sagen. Ich lief und lief: immer auf der Suche nach einem Ort, an dem ich frei sein konnte. Mit dem Boot kam ich nach Griechenland und per Zug nach Innsbruck. Das war letzten September. Ich wohne in einer Unterkunft für geflüchtete Frauen. Anfangs fühlte ich mich etwas unwohl. Es ist nicht leicht, mit Menschen zusammenzuleben, die dir fremd sind. Aber ich passte mich an.

Der Gedanke an meine Kinder gibt mir Kraft. Mein Sohn ist erwachsen, auf meine Töchter schaut ihr Vater. Im Kongo herrscht immer noch große Ungerechtigkeit. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht. Was mir Mut gibt, ist der Glaube. Ich bin Christin. In meiner Heimat sang ich im Kirchenchor. Auch in Tirol besuche ich eine Glaubensgemeinschaft. Wenn ich erst richtig Deutsch kann, möchte ich wieder singen. Es tut mir gut, nimmt mir den Stress und macht mich leichter.

Ob ich hierbleiben darf, weiß ich noch nicht. Zweimal die Woche gehe ich zum Sprachkurs. Ich möchte lernen, um mehr reden zu können und wieder arbeiten. Ich kann nicht nur herumsitzen. Stillstand ist Gift. Ich hatte nie die Möglichkeit, zu studieren, weiß aber, wie man Betten macht und ein Haus putzt. Eigentlich bin ich gelernte Kosmetikerin. Diesen Job würde ich so gerne wieder ausüben. Die Hoffnung gebe ich nicht auf.“

Dieses Protokoll ist Teil einer 20er-Serie aus dem Dossier: Menschen hinter dem 20er.

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