Haben wir ein Recht an der eigenen Stimme?

Das sogenannte Voice Cloning ist eine Technologie, bei der ein Computerprogramm die Stimme einer Person imitiert. Matthias Kettemann, Universitätsprofessor für Innovation, Theorie und Philosophie an der Universität Innsbruck, erklärt, welche Rechte wir an unserer Stimme haben.

von Melanie Falkensteiner
(c) Brett Sayles Haben wir ein Recht an der eigenen Stimme? (c) Brett Sayles

Um jemandes Stimme zu klonen, braucht es nur wenige gesprochene Aufnahmen der betreffenden Person. Mittels Computerprogramme kann man heutzutage jeden beliebigen Text in dieser Stimme mit derselben Stimmlage, der Diktion und dem Dialekt wiedergeben.

Das kann durchaus Vorteile mit sich bringen. So gibt es beispielsweise Anwendungen, die die Stimme einer verstorbenen Person klonen und somit bei der Trauerarbeit helfen können. Allerdings kann Voice Cloning auch für bösartige Zwecke eingesetzt werden, etwa für Telefonbetrug oder um jemanden schlecht darzustellen, in dem man falsche Aufnahmen mit unangebrachten Aussagen erstellt.  

Häufig wird Voice Cloning in der Musikindustrie verwendet, um zum Beispiel ein neues Lied mit der Stimme eines verstorbenen Künstlers zu kreieren. Auch wenn eine lebende Künstlerin ihren Musikkatalog an ein Label verkauft, hat dieses das Recht, mit ihrer Stimme neue Musik zu schaffen. In den USA ist die Rechtslage dahingehend sehr frei, doch der ethische Aspekt wird viel diskutiert.

Denn wir haben auf jeden Fall ein Recht an der eigenen Stimme. Sie ist ein sogenanntes hochpersönliches Datum und weil sie für jeden Menschen derart individuell ist, ist unsere Stimme ähnlich geschützt wie gesundheitsbezogene Daten. Es gibt unter anderem das Recht, nicht gegen seinen Willen aufgezeichnet zu werden sowie das Recht auf Löschung und Korrektur. Das ist sowohl im Datenschutzgesetz als auch in den Menschenrechten verankert.

Abonnieren

Ein Abo der Tiroler Straßenzeitung ist immer eine gute Idee! Um nur 58 Euro erhalten Sie zehn Ausgaben bequem zu Ihnen nach Hause geschickt. Wir liefern den 20er monatlich dorthin, wo unsere Verkaufenden nicht sind. Ob nach Prutz oder Wien.