„Ich floh vor gewaltsamen Auseinandersetzungen in meiner Heimat. Der Krieg holte auch unsere kleine Provinz ein. Ich stamme aus der Zentralafrikanischen Republik. Als sich meine Eltern trennten und mein Vater starb, machte ich mich auf den Weg nach Europa. Ich war 19, als ich Tirol erreichte. Zu meinen vielen Schwestern und Brüdern habe ich keinen Kontakt mehr. Auch meine Mutter zu erreichen, ist schwierig, weil sie kaum Internetempfang hat.
In Tirol bin ich zum Fußball gekommen. Der Sport hat in Österreich einen hohen Stellenwert. Ich begann in Kufstein, dann wechselte ich zu FC Veldidena Innsbruck. Seit Kurzem spiele ich in der zweiten Gebietsliga Mitte-Ost beim SV Radfeld. Wir trainieren dreimal die Woche und haben an den Wochenende Matches. Diesen Sonntag spielen wir auswärts, es geht um den Tirol-Cup. Ich bin abwechselnd Verteidiger oder Rechts-Außen-Spieler. Der Fußball ist, was mich mit anderen Menschen verbindet. Er lässt mich vieles um mich herum vergessen. Auf dem Rasen fühle ich mich daheim und habe Freunde gefunden.
In der Unterkunft für Geflüchtete schlafen wir zu fünft im Zimmer. Viel Erholung und Ruhe bekomme ich da nicht. Um hinauszukommen, verkaufe ich den 20er. Ich arbeite auch freiwillig bei der Gemeinde, helfe, Blumentröge zu bepflanzen und bei Reparaturarbeiten. Ich hoffe, einmal Asyl in Österreich zu bekommen. Dann könnte ich richtig arbeiten. Schon dreimal war ich bei der Behörde zum Interview. Antwort habe ich allerdings noch keine.
Dreimal die Woche gehe ich zum Deutschkurs. Das ist oft anstrengend, doch es ist mir wichtig. Ich will mich integrieren und die Sprache lernen. Deshalb pausiere ich jetzt auch erst einmal den Straßenverkauf. Ich will mich voll auf die Schule konzentrieren.
Was ich an Österreich so schätze? Die wunderbaren Berge und die Natur. Es ist ein sicheres Land, in dem alle akzeptiert werden. Hier sehe ich Chancen für mich. In Afrika haben wir ein großes Sicherheitsproblem. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, zurückzugehen.“
Dieses Protokoll ist Teil einer 20er-Serie aus dem Dossier: Menschen hinter dem 20er.
Meilleur Bengue flüchtete mit 19 Jahren nach Tirol. Nun verkauft er den 20er. (c) Thomas Schrott